Selbstcoaching mit dem Inneren Team

Ein Beitrag von Prof. Dr. Friedemann Schulz von Thun

In diesem Jahr 2018 tritt bei uns das Thema Selbstcoaching (vor allem mit dem Inneren Team) besonders hervor. Sowohl als Inhouse-Weiterbildung in einigen Unternehmen, als auch als Spezialkurs in der KBT, schließlich auch bei einem unserer Impulstage. Was ist der gedankliche Hintergrund dieser Akzentsetzung?


In jedem High Professional wohnt ein Mensch. Während der Profi vor der Herausforderung steht, dem Wettbewerb auf dem Markt mit Kompetenz und Motivation gewachsen zu sein und daher exzellenter Schulung bedarf, steht der Mensch vor der Herausforderung, mit sich selbst klarzukommen, eine erfüllende Existenz in seinem Leben zu ermöglichen, das zu verwirklichen, was seinem Wesen entspricht, tragfähige und wohltuende Beziehungen aufzubauen, mit sich selbst im Einklang zu sein und mit allfälligen inneren Konflikten, Schicksalsfügungen und Lebens-Dilemmata so umzugehen, dass er existenziell im guten Fahrwasser bleibt.

Diese existenzielle Dimension ist zunächst einmal Privatsache. Sie geht den Arbeitgeber und die professionellen Partner nichts an. Allerdings sind der Professional und der Mensch eng miteinander verknüpft und verzahnt. Im individuellen Coaching wird diese Verzahnung meist sehr deutlich. Solange und sofern der Mensch in seinem Leben Stimmigkeit erreicht, ist seine Schaffenskraft und seine Ausstrahlung im professionellen Feld wohltuend gewährleistet. Ist er hingegen in manchen seiner Lebensthemen (vorübergehend oder anhaltend) gebeutelt, gelähmt, demoralisiert oder von Schicksalsschlägen betroffen (was angesichts der menschlichen Vulnerabilität eher die Regel als die Ausnahme ist, mehr oder minder), ist seine Einsatzfähigkeit und Beziehungsfähigkeit im Beruf eingeschränkt oder gefährdet. Im schlimmsten Fall agiert er dort aus, was im Inneren nicht stimmt. Eine Persönlichkeitsentwicklung, die es ermöglicht, solchen Herausforderungen gewachsen zu sein und ein stimmiges Leben zu führen, ist daher nicht nur im Interesse des Menschen selbst, sondern auch im Interesse seiner professionellen Partner. Ein Arbeitgeber darf (und sollte) in diesem Feld, das im Hoheitsgebiet des Mitarbeiters liegt,  freilich nur Angebote machen, deren Nutzung freiwillig ist.

Was mir im Beruf und im Leben zu schaffen macht, kommt häufig plötzlich und unerwartet, oder was sich lange angeschlichen hat, wird plötzlich virulent.  Ein guter Coach könnte dann ein wahrer Segen sein, aber nicht immer ist er/sie  bedarfsgerecht in Reichweite. Früher sagte man: Die Axt im Hause erspart den Zimmermann! Jedenfalls kann eine erste Selbsthilfe sehr aussichtsreich sein, sofern man nicht gerade eine Axt, aber doch einen Methodenkoffer zur Hand hat.

Selbstcoaching u.a. mit dem Inneren Team  ist der Weg, den wir selbst beschreiten und allen High Professionals anbieten, für die nicht nur Erfolg, sondern auch Sinn und Erfüllung in ihrem Leben zählt.  Aber auch für allgegenwärtige schwierige Entscheidungen und Herausforderungen im beruflichen Feld ist die erste Selbsthilfe unverzichtbar- und als Zugabe: Man wird nicht dümmer davon!

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