Schlüsselbegriffe der Kommunikationspsychologie

Wir stellen grundlegende Begriffe unserer Kommunikationspsychologie vor

Viele Begriffe und Metaphern unserer Kommunikationspsychologie werden Ihnen geläufig sein, manche haben mittlerweile Einzug in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden ("Du hast halt ein übergroßes Beziehungsohr!"). Vielleicht sind Sie selbst Trainer:in oder Berater:in und nutzen diese Begriffe bei der Vermittlung kommunikationspsychologischer Kompetenzen.

In dieser neuen Rubrik werden wir grundlegende Begriffe unserer Lehre vorstellen und beschreiben, was sich dahinter verbirgt. Vielleicht haben Sie Lust, Ihr kommunikationspsychologisches Wissen anzureichern und/oder zu überprüfen? Wir starten mit dem Begriff "Stimmigkeit". Was genau verstehen wir darunter?

"Stimmigkeit"

Von Stimmigkeit spricht man, wenn die Teile eines Ganzen gut zusammenpassen und sich widerspruchsfrei ergänzen. So ist es für eine politische Partei von großem Vorteil, wenn sie ein stimmiges Gesamtkonzept hat: wenn das Parteiprogramm, das politische Handeln, die Rhetorik und die Personen, wenn all diese Teile und Aspekte miteinander übereinstimmen. Ist  dies nicht der Fall, sind Parteibasis und Wähler verunsichert, oft auch empört: «Sie predigen soziale Gerechtigkeit und kürzen den Ärmsten der Armen die Unterstützung und fahren selbst mit einem dicken Porsche durch die Gegend!»

In der Kommunikationspsychologie Schulz von Thuns bezeichnet Stimmigkeit eine ebenso situationsgerechte wie authentische Kommunikation. Das heißt, eine Person verhält sich dann stimmig, wenn ihr Verhalten sowohl dem Charakter der Situation angemessen ist als auch wesensgemäß und echt. Diese «doppelte  Übereinstimmung» gilt als zentrales Kriterium für eine angemessene, gute und richtige Kommunikation. Diese orientiert sich an der Fragestellung: Wie kann ich kommunizieren angesichts dessen, wie die Situation konstruiert ist und was sie mir in meiner Rolle abverlangt, sowie angesichts dessen, was sich in mir regt und wofür ich stehe?

Um herauszufinden, was situationsgerecht ist, wird der Blick nach außen gerichtet, auf den situativen Kontext: Welches sind seine Bestandteile, wie hängen sie miteinander zusammen? Wie ist die Beziehung zum Gegenüber? Worum geht es in dieser Situation, welche Gebote und Forderungen sind darin enthalten, sodass die Kommunikation
dementsprechend ausfallen sollte? Zur Beantwortung dieser Fragen dient unter anderem das Situationsmodell.

Um herauszufinden, was authentisch ist, richtet sich der Blick nach Innen, auf den inneren Kontext der kommunizierenden Person: Welche Gedanken, Gefühle und Impulse melden sich in ihr und möchten sich zur Geltung bringen? Mit welcher Äußerung wäre sie in Übereinstimmung mit sich selbst? Welche inneren Gebote und Forderungen werden laut und wollen berücksichtigt sein? Hilfestellung bei dieser 4 Selbstklärung bietet das Innere Team.

Die Kommunikationsberatung greift den Grundgedanken der Stimmigkeit auf und lässt ihn praktisch werden: Zunächst wird der äußere Kontext der Fragestellung erkundet und visualisiert. Im zweiten Schritt werden die inneren Stimmen des Klienten erhoben und betrachtet. Die Erhebung dieser beiden Perspektiven bildet das Herzstück der Beratung und
die Grundlage für weitere Interventionen.

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