Was sag' ich (nicht) im Umgang mit Trauernden?

Führungskräfte, vergesst im Umgang mit Trauernden, was ihr über Kommunikation gelernt habt.

Warum das „Trauergehirn“ anders funktioniert – und was das für euren Alltag bedeutet

Ein gesellschaftliches Tabu mit Folgen

Unsere Kollegin Silke Freitag hat selbst einen nahen Menschen verloren und weiß aus eigener Erfahrung: Tod und Trauer sind nach wie vor Tabuthemen. Wir haben als Gesellschaft nicht gelernt, wie wir mit diesen Themen umgehen. Die Folge: Trauernde fühlen sich von ihrem Umfeld häufig nicht gut gesehen oder aufgefangen.

Gut gemeinte Sätze wie „Du bist so stark!“, „Ich weiß gar nicht, wie ich das verkraften würde!“ oder „Du bist so jung – du findest bestimmt wieder jemanden!“ können tief verletzen und noch lange zusätzlich belastend nachwirken.

Wenn Trauer den Arbeitsplatz betrifft

Dieses Unwissen endet nicht an der Bürotür. Studien zeigen: Viele Menschen mit Verlusterfahrung kündigen und wechseln den Arbeitgeber – oft, weil Führungskräfte und Kolleg:innen trotz bester Absichten nicht hilfreich reagieren.

Dafür gibt es zwei zentrale Gründe:

  1. Trauer ist gesellschaftlich tabuisiert und der Umgang damit nicht gelernt.
  2. Viele Kommunikationsregeln greifen im Kontakt mit Trauernden nicht – manche schaden sogar.

Was Trauernde wirklich brauchen

Das Gefühl, nicht zu wissen, was wir sagen sollen, wenn uns jemand vom Verlust eines geliebten Menschen berichtet, kennen wahrscheinlich viele von uns. Über eine Beileidsbekundung hinaus macht sich das Gefühl von Sprachlosigkeit breit: Man möchte etwas Unterstützendes, Stimmiges sagen, aber uns fehlen die Worte. Silke weiß: Genau dieses Gefühl laut auszusprechen, wird von den meisten Trauernden als stimmig erlebt.

Zum Beispiel: „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll – ich würde so gern etwas Tröstliches sagen und habe einfach keine passenden Worte.“ Denn in der Tat ist es kaum möglich, für einen derartig schweren Schmerz die „richtigen“ Worte zu finden.

Der häufigste Kommunikationsfehler

Gut gemeint, aber häufig wirkungslos ist auch das pauschale Angebot: „Meld‘ dich jederzeit, wenn du reden möchtest / vorbeikommen möchtest …“ Zwar ist es das Schönste, seine Zeit und ein offenes Ohr anzubieten, und doch wird sich die betroffene Person wahrscheinlich nicht melden. Das ist zu viel verlangt und in dieser Ausnahmesituation und für viele Betroffene vermutlich unmöglich.

Besser ist es zu fragen: „Magst du morgen zum Abendessen vorbeikommen?“ „Passt dir 18 oder 19 Uhr besser?“ So können Betroffene entscheiden – ohne initiativ werden zu müssen.

 

Warum offene Fragen nicht helfen

Im Beruf gelten oft offene Fragen als Leitprinzip guter Kommunikation. Doch bei den meisten Menschen mit „Trauergehirn“ funktionieren sie kaum.

Fragen wie „Wie kann ich dich jetzt am besten unterstützen?“ überfordern eher.

Silkes Rat: „Führungskräfte, vergesst im Umgang mit Trauernden, was ihr über Kommunikation gelernt habt.“

Stattdessen Alternativen anbieten: „Möchtest du dem Team selbst Bescheid geben – oder sollen wir das gemeinsam tun?“ „Willst du dein Projekt behalten – oder lieber abgeben?“

Was unbedingt vermieden werden sollte

Auch wenn es gut gemeint ist: Entscheidungen abzunehmen („Wir haben dein Projekt schon mal verteilt – du musst dich jetzt erholen.“) verstärkt für viele Betroffene das Gefühl von Kontrollverlust.

Es wurde ihnen durch die Verlusterfahrung ohnehin schon der Boden unter den Füßen weggezogen, weshalb Fremdbestimmung als besonders belastend erlebt wird.

Also: Fragen: ja auf jeden Fall! Offene Fragen: Nein, lieber Alternativen vorschlagen, aus denen die betroffene Person dann auswählen kann.

Trauer ist hoch individuell, und nicht jede Empfehlung passt für jede Person. Als Orientierung verringern diese Hinweise jedoch das Risiko von Verletzung und Überforderung – und schaffen Raum, im weiteren Kontakt die persönlichen Bedürfnisse zu klären.

Warum der Arbeitsplatz ein Schlüsselort ist

Silke Freitag ist dieses Thema ein persönliches Herzensanliegen – entstanden aus eigener Erfahrung und aus der Arbeit mit Betroffenen. Mit ihrem Impulstag möchte sie vor allem Führungskräfte erreichen, weil sie eine zentrale Rolle spielen: Sie gestalten einen Ort, an dem Trauernde Halt finden können – für sich selbst und für das Miteinander im Team.

Darüber hinaus sind auch Personalverantwortliche und selbstverständlich alle Mitarbeitenden herzlich willkommen, denn auch sie tragen maßgeblich dazu bei, ein „sicheres Umfeld“ für trauernde Kolleg:innen zu schaffen.

Trauer betrifft uns alle

Ob wir selbst einen Verlust erleben oder jemand in unserem Umfeld: Die Haltung, das Wissen um das „Trauergehirn“ und eine sensible, situationsgerechte Kommunikation entscheiden darüber, ob Menschen sich in einer der verletzlichsten Phasen ihres Lebens aufgefangen fühlen – oder durch gut gemeinte Sätze schlimmstenfalls zusätzliches Leid erfahren.

Ein Schritt, um das Tabu zu brechen

Wir freuen uns über alle, die die Bedeutung dieses Themas sehen und sich vorbereiten möchten – denn die Wahrscheinlichkeit, im Arbeitsalltag mit Trauer konfrontiert zu werden, ist hoch.

Der Online-Impulstag kompakt „Guter Umgang mit Trauernden im beruflichen Alltag“ am 01.04.2026 zeigt praxisnah, wie Kommunikation in dieser vulnerablen Phase unterstützen kann, statt zusätzlich zu verletzen.

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