Die Hamburger Kommunikationspsychologie legt ihren Schwerpunkt auf die Begegnung von Mensch zu Mensch und versucht Menschen dabei zu unterstützen, einen Dialog zu führen, der seinen Namen verdient. Und eine Herausforderung ist im Dialog immer enthalten: den Meinungsgegner gelten zu lassen.
Aber was mache ich, wenn ich überzeugt bin, das der Meinungsgegner irregeleitet, moralisch verwerflich oder gar gefährlich ist. Wenn er Dinge sagt, die meinen Werten zutiefst widersprechen. Ist dann das dialogische Credo, das die Wahrheit zu zweit beginnt, noch aufrechtzuerhalten?
Was also tun, wenn Schwager Hubert auf der Familienfeier sich vulgär-pöbelnd sexistisch äußert? Was tun, wenn am gemütlichen Grillabend ein Bekannter mit diffamierenden antisemitischen Ansichten alle zum verlegenden Schweigen bringt. Was tun, wenn man sich mit gänzlich unerwarteten Haltungen und irritierenden Meinungen konfrontiert sieht. Was tun, wenn man die Gefahr sieht, dass ein Gespräch zu einem giftigen Streit eskaliert, wo aus der Differenz ein Zerwürfnis wird und die Polarisierungsfalle droht.
Wer von diesem Tag handfeste Fertigrezepte und allgemeingültige Lösungen erwartet, kommt kaum auf seine Kosten. Wer einen Gewinn darin sieht, Reflexionswerkzeuge und gedankliche Geländer für die Herausforderungen der jeweiligen Situation zu erlangen, wer verstehen will, dass Zuhören vieles aber nicht alles ist, wird eher etwas davon haben und sich vielleicht durch die vorgestellten Möglichkeiten angeregt fühlen, einen eigenen Kompass für individuell stimmiges Verhalten in solch herausfordernden Situationen zu entwickeln.